Extrinsische Motivation
Extrinsische Motivation beschreibt den Antrieb, bestimmte Handlungen oder Tätigkeiten auszuführen, um äußere Belohnungen zu erhalten oder negative Konsequenzen zu vermeiden. Im Gegensatz zur intrinsischen Motivation, bei der die Motivation aus dem Inneren kommt und durch das Interesse oder die Freude an der Tätigkeit selbst entsteht, wird extrinsische Motivation durch äußere Faktoren wie Geld, Anerkennung, Status oder Lob hervorgerufen.
Menschen, die extrinsisch motiviert sind, handeln oft, um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen, sei es eine Belohnung oder das Vermeiden einer Strafe. Diese Form der Motivation spielt in vielen Bereichen des Lebens eine zentrale Rolle, etwa im Beruf, in der Bildung oder bei alltäglichen Aufgaben. Sie kann kurzfristig effektiv sein, aber langfristig ist sie oft weniger nachhaltig als intrinsische Motivation, da das Verhalten stark von externen Einflüssen abhängt.
Merkmale der extrinsischen Motivation
- Äußere Belohnungen: Extrinsische Motivation entsteht durch den Wunsch, eine externe Belohnung zu erhalten, wie zum Beispiel Geld, Anerkennung, einen Preis oder eine Beförderung. Diese Belohnungen motivieren das Verhalten und geben dem Einzelnen einen Grund, die Aufgabe zu erledigen.
- Vermeidung von Strafen: Neben Belohnungen motiviert die extrinsische Motivation auch durch die Vermeidung von Strafen oder negativen Konsequenzen. Menschen handeln oft, um Missbilligung, Verlust oder Sanktionen zu vermeiden.
- Zielorientiertes Handeln: Bei der extrinsischen Motivation ist das Ziel der Handlung das Erreichen eines äußeren Ergebnisses, nicht die Freude an der Tätigkeit selbst. Die eigentliche Aktivität wird oft nur als Mittel zum Zweck angesehen.
- Abhängigkeit von externen Faktoren: Das Verhalten, das durch extrinsische Motivation angetrieben wird, ist oft stark von äußeren Umständen abhängig. Sobald die Belohnung oder das Ziel nicht mehr verfügbar ist, kann die Motivation sinken.
- Kurzfristige Anreize: Extrinsische Motivation funktioniert oft gut für kurzfristige Aufgaben oder für Verhaltensänderungen, die ein schnelles Ergebnis erfordern. Langfristig kann sie jedoch an Wirksamkeit verlieren, wenn keine ständigen Belohnungen vorhanden sind.
Beispiele für extrinsische Motivation
Extrinsische Motivation tritt in vielen verschiedenen Lebensbereichen auf und ist besonders in Situationen präsent, in denen Menschen von externen Belohnungen oder Druck abhängig sind:
- Arbeit: Viele Menschen arbeiten, um Gehalt zu verdienen, Beförderungen zu erhalten oder Anerkennung von ihren Vorgesetzten zu bekommen. Diese extrinsischen Belohnungen motivieren sie, auch Aufgaben zu erledigen, die sie möglicherweise nicht intrinsisch interessant finden.
- Schule: Schüler und Studenten können extrinsisch motiviert sein, gute Noten zu erhalten, um Lob von Lehrern und Eltern zu bekommen, Stipendien zu gewinnen oder die Zulassung zu einer gewünschten Universität zu erhalten.
- Sport: Athleten trainieren oft hart, um Trophäen, Medaillen oder Anerkennung von Fans und Trainern zu gewinnen. Diese Belohnungen dienen als Ansporn, auch wenn der Trainingsprozess selbst nicht immer angenehm ist.
- Persönliche Gewohnheiten: Menschen, die sich bestimmte Verhaltensweisen aneignen, wie zum Beispiel gesünder zu essen oder regelmäßig Sport zu treiben, tun dies manchmal nicht aus Freude an der Aktivität, sondern um Gewicht zu verlieren, die Anerkennung anderer zu erhalten oder medizinischen Empfehlungen zu folgen.
Theorien der extrinsischen Motivation
Es gibt verschiedene psychologische Theorien, die erklären, wie extrinsische Motivation funktioniert und welche Mechanismen dahinterstehen:
- Operante Konditionierung: Diese Theorie, die auf B. F. Skinner zurückgeht, erklärt extrinsische Motivation durch den Prozess der Belohnung und Bestrafung. Verhalten wird verstärkt, wenn es zu positiven Konsequenzen führt (Belohnungen) und abgeschwächt, wenn es negative Konsequenzen hat (Bestrafungen). Die Aussicht auf Belohnungen treibt das Verhalten an, während die Angst vor Strafen dazu führt, unerwünschtes Verhalten zu vermeiden.
- Anreiztheorie: Laut der Anreiztheorie wird Verhalten durch äußere Anreize motiviert. Menschen werden von Belohnungen wie Geld, Anerkennung oder Status angezogen und von Strafen oder negativen Ergebnissen abgeschreckt. Diese Anreize beeinflussen die Richtung und Intensität des Verhaltens.
- Erwartungs-Wert-Theorie: Diese Theorie besagt, dass die Motivation aus der Erwartung resultiert, dass eine Handlung zu einem bestimmten Ergebnis führt, und aus der Bewertung dieses Ergebnisses. Menschen wägen ab, ob es sich lohnt, eine bestimmte Anstrengung zu unternehmen, basierend auf der Wahrscheinlichkeit des Erfolgs und dem Wert der Belohnung. Je höher der Wert und die Erfolgschancen, desto stärker ist die extrinsische Motivation.
- Kognitive Bewertungstheorie: Diese Theorie ist Teil der Selbstbestimmungstheorie und argumentiert, dass äußere Belohnungen die intrinsische Motivation schwächen können. Wenn Menschen das Gefühl haben, dass ihr Verhalten durch äußere Anreize gesteuert wird, kann dies ihre Selbstbestimmung beeinträchtigen und somit die intrinsische Motivation verringern. Externe Belohnungen sollten daher mit Vorsicht eingesetzt werden, um nicht den inneren Antrieb zu gefährden.
Vor- und Nachteile der extrinsischen Motivation
Vorteile:
- Schnelle Verhaltensänderungen: Extrinsische Motivation kann eine effektive Methode sein, um schnelle Verhaltensänderungen herbeizuführen. Wenn klare Belohnungen oder Strafen auf dem Spiel stehen, sind Menschen oft bereit, ihr Verhalten kurzfristig anzupassen.
- Erreichen von Zielen: In Situationen, in denen eine Aufgabe oder ein Ziel nicht intrinsisch motivierend ist, können äußere Anreize helfen, die Motivation aufrechtzuerhalten und das Ziel zu erreichen.
- Anreiz für unangenehme Aufgaben: Viele Aufgaben, die wenig Freude bereiten, wie das Bezahlen von Steuern oder das Erledigen von Hausarbeiten, können durch externe Belohnungen oder das Vermeiden von Strafen bewältigt werden.
Nachteile:
- Abhängigkeit von äußeren Belohnungen: Ein Hauptnachteil der extrinsischen Motivation ist die Gefahr, dass Menschen abhängig von äußeren Belohnungen werden. Wenn diese Belohnungen wegfallen oder unzureichend sind, kann die Motivation drastisch abnehmen.
- Reduzierung der intrinsischen Motivation: Wie die kognitive Bewertungstheorie vorschlägt, können äußere Belohnungen die intrinsische Motivation verringern. Menschen, die ursprünglich Freude an einer Tätigkeit hatten, können das Interesse daran verlieren, wenn sie das Gefühl haben, dass sie die Aufgabe nur noch wegen der äußeren Belohnung ausführen.
- Kurzfristige Wirkung: Extrinsische Motivation kann kurzfristig wirksam sein, ist jedoch oft nicht nachhaltig. Wenn der Anreiz verschwindet, verschwindet oft auch die Motivation, das Verhalten aufrechtzuerhalten.
Strategien zur Nutzung der extrinsischen Motivation
Obwohl extrinsische Motivation einige Nachteile hat, kann sie in bestimmten Situationen sinnvoll eingesetzt werden. Um sie effektiv zu nutzen, sollten folgende Strategien berücksichtigt werden:
- Klare Belohnungen und Konsequenzen: Es ist wichtig, dass die Belohnungen oder Strafen klar definiert und mit den gesetzten Zielen verknüpft sind. Menschen sollten genau wissen, welche Vorteile sie durch ihr Verhalten erzielen und welche Konsequenzen drohen, wenn sie das gewünschte Verhalten nicht zeigen.
- Kombination von intrinsischer und extrinsischer Motivation: Es kann hilfreich sein, sowohl intrinsische als auch extrinsische Motivationsquellen zu nutzen. Äußere Anreize können ein Verhalten in Gang setzen, während intrinsische Faktoren wie Autonomie und Kompetenz langfristig die Motivation aufrechterhalten.
- Angemessene Belohnungen: Belohnungen sollten angemessen und zielgerichtet sein. Zu große Belohnungen können die intrinsische Motivation schwächen, während zu kleine oder unbedeutende Anreize die Motivation nicht ausreichend fördern.
- Feedback und Anerkennung: Neben materiellen Belohnungen ist Anerkennung ein wichtiger Faktor. Menschen schätzen es, wenn ihre Arbeit wertgeschätzt wird, und positives Feedback kann die Motivation fördern, selbst wenn keine materiellen Anreize vorhanden sind.
Fazit
Extrinsische Motivation spielt eine wichtige Rolle in unserem täglichen Leben, insbesondere wenn es darum geht, kurzfristige Ziele zu erreichen oder unerwünschtes Verhalten zu vermeiden. Sie kann effektiv sein, um Menschen zu motivieren, Aufgaben zu erledigen, die sie von sich aus möglicherweise nicht angehen würden. Langfristig kann extrinsische Motivation jedoch weniger nachhaltig sein als intrinsische Motivation, da sie stark von äußeren Anreizen abhängt. Daher ist es oft sinnvoll, extrinsische und intrinsische Motivation zu kombinieren, um sowohl kurzfristige Erfolge als auch langfristiges Engagement zu fördern.