Intervision
Intervision ist eine kollegiale Beratungsform, bei der Fachkräfte ohne externe Moderation gemeinsam berufliche Herausforderungen reflektieren, Lösungen entwickeln und voneinander lernen. Im Gegensatz zur Supervision erfolgt die Intervision autonom innerhalb einer Gruppe von Gleichgestellten, die ihre Erfahrungen und Perspektiven einbringen.
Ziele der Intervision
Intervision verfolgt mehrere wichtige Ziele:
- Selbstreflexion: Förderung der individuellen und kollektiven Reflexion beruflicher Themen.
- Problemlösung: Entwicklung von Ansätzen zur Bewältigung beruflicher Herausforderungen.
- Kompetenzförderung: Austausch von Wissen und Methoden zur beruflichen Weiterentwicklung.
- Stärkung der Zusammenarbeit: Verbesserung der Kommunikation und des Teamgeists innerhalb der Gruppe.
Merkmale der Intervision
- Autonomie: Die Gruppe organisiert und moderiert sich selbst.
- Gleichberechtigung: Alle Teilnehmer sind auf Augenhöhe und bringen ihre Perspektiven gleichwertig ein.
- Freiwilligkeit: Die Teilnahme ist freiwillig, was die Motivation und Offenheit fördert.
- Strukturierte Methodik: Der Prozess folgt häufig einem klar definierten Ablauf.
Ablauf einer Intervisionssitzung
Eine typische Intervisionssitzung umfasst mehrere Phasen und nutzt oft bewährte Methoden wie das Kollegiale Beratungsgespräch:
1. Problemklärung
Ein Teilnehmer stellt ein konkretes berufliches Anliegen oder Problem vor. Die Gruppe stellt klärende Fragen, um das Anliegen besser zu verstehen.
2. Zieldefinition
Der Fallgeber formuliert, welches Ziel er mit der Intervision erreichen möchte (z. B. neue Perspektiven gewinnen, konkrete Lösungen entwickeln).
3. Sammlung von Ideen und Lösungen
Die Gruppe erarbeitet Vorschläge, reflektiert alternative Handlungsweisen oder gibt Feedback.
4. Entscheidungsfindung
Der Fallgeber wählt die Ansätze aus, die für ihn am sinnvollsten erscheinen, und entwickelt einen Handlungsplan.
5. Abschluss
Die Gruppe reflektiert den Prozess, gibt Feedback zur Sitzung und plant gegebenenfalls Folgetreffen.
Vorteile der Intervision
Für Einzelpersonen
- Kosteneffizienz: Keine Kosten für externe Moderatoren oder Supervisoren.
- Selbstbestimmung: Eigenverantwortliche Gestaltung des Beratungsprozesses.
- Lernen durch Perspektivenvielfalt: Zugang zu unterschiedlichen Erfahrungen und Ansichten.
Für Gruppen
- Stärkung des Teamgeists: Förderung von Vertrauen und Zusammenarbeit.
- Kollektive Problemlösung: Nutzung der Kompetenzen und Erfahrungen aller Teilnehmer.
- Flexibilität: Anpassung an die spezifischen Bedürfnisse der Gruppe.
Herausforderungen der Intervision
- Fehlende Moderation: Ohne externe Leitung kann es schwierig sein, die Struktur und den Fokus zu wahren.
- Gruppendynamik: Machtverhältnisse oder persönliche Konflikte können die Offenheit und Effektivität beeinträchtigen.
- Methodische Unsicherheit: Ein Mangel an Erfahrung mit Intervisionsmethoden kann die Ergebnisse beeinträchtigen.
Tipps für eine erfolgreiche Intervision
- Klare Regeln festlegen: Eine gemeinsame Vereinbarung über den Ablauf und die Kommunikation fördert den Erfolg.
- Methoden anwenden: Bewährte Strukturen wie die Kollegiale Beratung können helfen, die Sitzung effektiv zu gestalten.
- Offenheit und Vertrauen fördern: Eine respektvolle und vertrauensvolle Atmosphäre ist entscheidend.
- Regelmäßigkeit einhalten: Kontinuierliche Treffen erhöhen den Nutzen und die Tiefe der Reflexion.
Fazit
Intervision ist ein effektives und kostengünstiges Instrument zur beruflichen Weiterentwicklung, das auf dem Austausch von Erfahrungen und der kollektiven Reflexion basiert. Sie bietet Fachkräften die Möglichkeit, Probleme eigenverantwortlich zu lösen und von der Vielfalt der Perspektiven innerhalb der Gruppe zu profitieren. Mit klaren Regeln und einer vertrauensvollen Atmosphäre kann Intervision eine wertvolle Ergänzung zu anderen Beratungsformen wie Supervision sein.